IS in der Krise: Rabatte auf Lösegelder sollen die Finanzen wieder ankurbeln

Irak/Syrien – Die global schwächelnde Wirtschaft scheint auch vor noch gar nicht anerkannten Staaten nicht halt zu machen. Meldungen aus dem Nahen Osten zufolge befindet sich der anfänglich erfolgreiche „Islamische Staat“ inzwischen selbst in einem finanziellen Engpass. Doch man will das erträumte Kalifat nicht aufgeben und lockt nun mit speziellen Angeboten.

Zwei hochmotivierte Jünglinge des "Islamischen Staates"
Zwei hochmotivierte Jünglinge des „Islamischen Staates“

Der „Gottesstaat“ in Krise

Der IS, der in den Staaten Syrien und Irak ein modernes, noch nie getestetes „Staatenbildungsprojekt“ betreibt, hatte in letzter Zeit mit immer mehr Niederlagen und Rückschlägen zu kämpfen. Es lassen sich immer weniger Anhänger für dessen Idee gewinnen (mit und ohne Gewalt) und auch die Investoren scheinen nacheinander den Geldhahn zuzudrehen. Viele potentielle junge Bürger des IS haben inzwischen Lesen und Schreiben gelernt und sind nicht mehr so einfach für den stupiden Kampf für den Gottesstaat zu gewinnen.

Anfang des Jahres kürzte auch der Comedy-Fond aus den USA, übrigens der einzige Staat, der die Souveränität des „Islamischen Staates“ offiziell anerkennt (psst! – nicht weitersagen!), die Zuschüsse, da diese nun in einen noch lächerlicheren Wahlkampf flossen. Somit begannen die finanziellen Mittel der Terroristen zusehends knapper zu werden.

Knappe Geldmittel erfordern Maßnahmen

Leicht verzweifelnd musste daher „Kalif“ Abu Bakr al-Baghdadi sich anderweitig zu helfen wissen, bevor seine Armee wieder auf Papierblasrohre zurückgreifen muss, wofür sie eigentlich nicht ausgebildet wurden. So vermeldete das Oberhaupt vor wenigen Wochen, dass Geiseln für mehrere Monate als Angebot „2 für 1“ freigekauft werden können. Das heißt im Klartext, dass nur für eine Geisel das Lösegeld bezahlt werden muss und eine zweite gleich gratis mitfreigelassen wird. Die zweite Geisel wird jedoch per Zufall ausgewählt, so dass für einen freigekauften italienischen Staatsbürger zum Beispiel ein Koreaner mitgeliefert wird. Diese und weitere Gutscheine, wie das Actionpaket „Einmal Beinschuss und heim“, können inzwischen online erworben werden.

Billigflüge und Skypeverhandlungen

Kritiker merken an, dass die Sparmaßnahmen teilweise bereits überspitzt sind. So werden die Lösegeldverhandlungen inzwischen nicht mehr wie üblich per Telefon getätigt, sondern man greift auf Skype zurück um gratis kommunizieren zu können. Auch bei der Übergabe wird gespart. Der jüngst freigelassene Journalist Jürgen T. erzählt gegenüber dem „Gipfelboten“: „Als ich freigekauft wurde, setzte man mich in ein Flugzeug eines Billiganbieters und bezahlte nicht einmal die Snacks während des Fluges für mich. Wäre ich vor zwei Jahren entführt worden, hätte ich noch in der Business-class heimkehren können. So eine Misswirtschaft ist für mich unverständlich!“

 

 

Foto: Menendj CC BY-SA 2.5

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