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Kindesmisshandlung – Sandmann begräbt aufgedrehtes Kind unter achtzehn Kilo Traumsand

Wien – Ein scheußlicher Fall von Gewalt an einem Kleinkind kam gestern in der österreichischen Hauptstadt ans Licht. Ein kleiner Junge war nach dem übermäßigen Genuss von Süßigkeiten auf dem Geburtstag eines Freundes derart überdreht, dass die übliche Dosis Traumsand ihre Wirkung lachhaft verfehlte. Der gestresste und überarbeitete Schlafbringer schritt schließlich zur Verzweiflungstat.

Eine nächtliche Aufnahme des Babymonitors, aufgrund der der Sandmann schließlich von der Polizei in Untersuchungshaft genommen wurde.

Es war ein besonderer Abend für den kleinen Franzjosef-Finn-Tyler. Er hatte sich den ganzen Nachmittag auf der Geburtstagsparty seines Freundes Louis-Lenny-Gottfried mit diabetesverherrlichenden Mengen Naschzeug vollgestopft, und dann noch lange aufbleiben dürfen, um sich auf Youtube sechzehn verschiedene Versionen des viralen Baby Shark-Videos reinzuziehen. Verständlich, dass sein Hirn danach auf Hochtouren lief, und er dementsprechend schreiend im Kreis. Seiner Mutter gelang es schließlich unter unmenschlicher Anstrengung, ihn in seinen Schlafanzug und dann ins Bett zu stopfen. Erleichtert schloss sie die Tür zum Schlafzimmer hinter sich ab und dankte Gott für den Sandmann, der das, wie all die Male zuvor, schon irgendwie richten würde.

Der hatte allerdings an diesem Abend schon andere Sorgen, wie er später in der Befragung durch die Polizeibeamten zu Protokoll gab. „Er war ja nicht das einzige Kind auf dieser Party. Die ganzen 23 anderen Gören plus Geburtstagskind, alle gerammelt voll Zucker und am Zappeln wie die Eichhörnchen auf Speed. Als ich beim Franzjosef-Finn-Tyler ankam – was ist das überhaupt für ein Name, Herrgott, früher hießen die noch Norbert und Eberhardt?! –, stand mir der Drecksjob schon bis hier. Der davor hatte mir schon den vorletzten Nerv geraubt, und anscheinend sollte das Franzerl dann mein großes Finale werden.“ Unter frustrierten Tränen schilderte er seine vergeblichen Versuche, den Kleinen zum Schlafen zu bringen. „Prise Traumsand, er döst weg, wacht kurz darauf wieder auf. Ein Lied summen, noch ein bisschen Sand, wieder dasselbe, nach drei Minuten steht er wieder im Bett und kräht diesen Babyshark-Stumpfsinn. So ging das eine geschlagene Dreiviertelstunde lang, irgendwann gegen Ende hab ich ihm eine ganze Handvoll Sand an den Kopf geworfen, brachte auch nichts. Mir lief es kalt den Rücken runter wenn ich daran dachte, dass ich nach ihm noch zwei Milliarden vierhundertfünf Millionen sechshundertneunundfünfzigtausend vierhundertdreiundachtzig andere Schlafzimmer in derselben Nacht besuchen musste. Ich bin ja nicht der Weihnachtsmann mit seinen Turbobambis vor dem Schlitten.“

Der Punkt, an dem der sonst so ausgeglichene, immer breit lächelnde Helfer aller Schlaflosen schließlich durchdrehte, kam, als ihn das Kind am Bart zog. „Der ist sehr empfindlich, und ich war so schon auf hundertachtzig und gestresst. Ich hab ihn angeschrien, ein paar schlimme Sachen genannt, die ich hier nicht wiedergeben will, und meinen Sack über ihm ausgeleert. Scheiß auf die anderen, hab ich gedacht, die halten es schon eine wache Nacht lang aus. Hauptsache dieses Balg pennt endlich!“

Und das tat er dann zweifelsohne. Die noch im Sack befindlichen achtzehn Kilo entsprechen in etwa 35.000% der maximalen jemals am (erwachsenen!) Menschen getesteten Dosis, und katapultierten Franzjosef-Finn-Tyler mit brachialer Gewalt ins Traumland. Da wird er auch einige Zeit bleiben, laut Berechnung des Sandmanns etwa drei bis vier Monate, falls ihm inzwischen niemand eine Adrenalinspritze verabreicht, was bei so einem jungen Patienten allerdings ins Auge gehen kann. „Zumindest wird er seinen Spaß haben“, grinste der Sandmann, „das Zeug ist recht halluzinogen – daher überhaupt die Träume –, ich missbrauche es oft selbst nach der Arbeit aus Spaß, ich will mir nicht ausmalen was der so sehen wird. Und sooooo unmöglich viele Augenpopel wird er nach dem Aufwachen haben, seine Mutter wird ihn daraus hervorschälen müssen wie eine Orange. Aber geschieht ihm ganz recht. Blödes ungezogenes Biest.“

Langzeitschäden sind hoffentlich keine zu erwarten, seit die Rezeptur des Traumsands vor ein paar Jahrzehnten nach Beschwerden von besorgten Müttern von reinem Heroin auf leichter verträglichen magischen Elfenstaub umgestellt wurde, bleiben Entzugserscheinungen größtenteils im erträglichen Bereich. Der Sandmann wird nach langer Beratung des zuständigen Staatsanwalts mit den Eltern des Opfers vorerst nicht strafrechtlich belangt, da der Kleine wirklich ein unzumutbarer Sargnagel ist, und der Sandmann eine wichtige Aufgabe im Schlafkreislauf der Welt und momentan keinen würdigen Stellvertreter hat. Er muss allerdings einen Aggressionsbewältigungskurs besuchen, und diesen auch erfolgreich abschließen, um einer hohen Geldstrafe zu entgehen.  

Foto: Pexels/Pixabay